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The pentatonic as a first improvisation — why nothing can sound wrong

Leave two notes out of the major scale and every semitone step disappears — and with it every way to land audibly wrong. How this five-note scale is built and how to start with it.

Maik Krohm

Zwei Töne weglassen, und nichts kann mehr schiefgehen

Die Dur-Tonleiter hat sieben Töne und zwei Halbtonschritte: zwischen der dritten und vierten sowie zwischen der siebten und achten Stufe. Genau diese beiden Halbtöne sind es, die beim freien Spielen danebengehen können — ein Halbton neben einem Akkordton klingt als Reibung, und zwar sofort hörbar.

Lässt man die vierte und die siebte Stufe weg, bleiben fünf Töne übrig: in C-Dur also c, d, e, g und a. Zwischen keinen zwei benachbarten Tönen dieser Reihe liegt noch ein Halbton. Damit verschwindet die Möglichkeit, hörbar falsch zu liegen — jeder dieser fünf Töne passt zu den Hauptakkorden der Tonart, in jeder Reihenfolge und zu jedem Zeitpunkt.

Das ist die Dur-Pentatonik, und sie ist keine vereinfachte westliche Tonleiter, sondern die verbreitetste Tonleiter der Welt. Sie liegt schottischen Volksliedern, chinesischer Musik, westafrikanischen Melodien und amerikanischem Blues zugrunde. Die schwarzen Tasten des Klaviers ergeben zusammen eine Pentatonik — ein Kind, das nur auf ihnen spielt, produziert unvermeidlich etwas, das nach Musik klingt.

C-Dur-Pentatonik: die Tonleiter ohne f und hC-Dur-Pentatonik: die Tonleiter ohne f und hcdegaDie weggelassenen Töne f und h sind genau die, die in C-Dur einen Halbtonschritt bilden.

Dur- und Moll-Pentatonik sind dieselben fünf Töne

Beginnt man dieselbe Tonreihe nicht bei c, sondern bei a — also a, c, d, e, g — entsteht die Moll-Pentatonik. Die Töne sind identisch, nur der Bezugspunkt hat sich verschoben. Das ist genau dieselbe Beziehung wie zwischen C-Dur und a-Moll, und es hat eine sehr praktische Folge: Wer ein Pentatonik-Muster gelernt hat, kennt damit zwei.

Die Moll-Pentatonik ist die Grundlage fast aller Rock- und Blues-Soli. Fügt man ihr einen einzigen weiteren Ton hinzu — die verminderte Quinte, in a-Moll also das es — erhält man die Blues-Tonleiter. Dieser Zusatzton heißt Blue Note und wird nie ausgehalten, sondern durchschritten; er ist die eine bewusst gesetzte Reibung in einem ansonsten reibungsfreien System.

Auf der Gitarre hat die Moll-Pentatonik ein Muster, das über das gesamte Griffbrett verschiebbar ist und nur zwei Töne pro Saite braucht. Das ist der Grund, warum sie praktisch jeder Gitarrist zuerst lernt — und auch der Grund, warum so viele nie darüber hinauskommen. Das Muster funktioniert zu gut, um es zu verlassen.

Dur-Pentatonik: nur Ganz- und AnderthalbtonschritteDur-Pentatonik: nur Ganz- und AnderthalbtonschritteC1D1E1G1A1cKein einziger Halbtonschritt — die Quelle der FehlertoleranzDie Lücken zwischen E–G und A–c sind anderthalb Töne groß; alle anderen Schritte sind Ganztöne.

Wie man tatsächlich anfängt

Improvisation scheitert selten an den Tönen und fast immer an der Vorstellung, man müsse etwas Kompliziertes produzieren. Die erste Übung besteht deshalb aus genau einem Ton. Über einer Begleitung — zwei Akkorde reichen, etwa C und F — spielt man nur das c, aber in verschiedenen Rhythmen: lang, kurz, mit Pausen, synkopiert. Nach zwei Minuten ist hörbar, dass Rhythmus mehr Musik erzeugt als Tonauswahl.

Der zweite Schritt sind zwei Töne, dann drei. Erst wenn die fünf Töne vollständig sind, kommt die eigentliche Regel dazu: Phrasen brauchen Enden. Wer ununterbrochen spielt, produziert eine Tonfolge, keine Musik. Eine brauchbare Faustregel ist, nach jeweils zwei Takten eine Pause von der Länge eines halben Taktes zu lassen — lang genug, um zu hören, was man gerade gespielt hat.

Der dritte Schritt ist der Zielton. Man wählt vor der Phrase einen Ton aus, auf dem man landen will, und spielt darauf zu. Das klingt trivial und ist der Unterschied zwischen Umherlaufen und Erzählen. Anfänger, die Zieltöne setzen, klingen nach zwei Wochen wie Fortgeschrittene, die es nicht tun.

Aus der Unterrichtspraxis

Mit Gruppen funktioniert die Pentatonik als Sofort-Ensemble. Am Klavier spielen die Kinder ausschließlich auf den schwarzen Tasten, während ich in Des-Dur begleite. Es gibt keinen falschen Ton. Nach fünf Minuten spielt eine Gruppe, die nie improvisiert hat, gemeinsam etwas, das zusammenhängend klingt — und die Erfahrung, dass das überhaupt geht, ist wichtiger als jede Regel, die man danach erklärt.

Bei Stabspielen nimmt man denselben Weg physisch: Beim Orff-Instrumentarium werden f und h schlicht herausgenommen. Übrig bleibt ein Instrument, auf dem nichts falsch klingen kann. Genau dafür sind die Platten abnehmbar, und genau so war Orffs Schulwerk gedacht.

Als gemeinfreies Notenbeispiel eignet sich „Auld Lang Syne“: Die Melodie ist vollständig pentatonisch und kommt ohne die vierte und siebte Stufe aus — der Grund, warum sie sich über Dudelsack, Klavier und Gesang gleichermaßen spielen lässt und warum sie in so vielen Ländern heimisch geworden ist. Wer die Melodie kennt, hat das Klangbild der Pentatonik bereits im Ohr.

Der typische Fehler bei Fortgeschrittenen ist die Dauerschleife. Das Pentatonik-Muster auf der Gitarre lässt sich beliebig lange auf- und abspielen, ohne dass etwas schiefgeht, und genau das wird zur Falle: Es entsteht Bewegung ohne Aussage. Das Gegenmittel ist eine Selbstbeschränkung — drei Töne für ein ganzes Solo, oder eine Phrase, die zweimal gleich beginnt und beim dritten Mal anders endet. Beschränkung erzeugt Form.

Woher die fünf Töne kommen

Die Pentatonik wirkt wie eine Auswahl aus der Dur-Tonleiter, ist aber historisch und physikalisch wahrscheinlich älter. Stapelt man von C aus vier reine Quinten — C, G, D, A, E — und legt die Töne in eine Oktave zusammen, erhält man c, d, e, g, a. Das ist exakt die Dur-Pentatonik. Sie entsteht also aus demselben Intervall, das auch den Quintenzirkel erzeugt, nur wird der Stapel nach fünf Tönen abgebrochen.

Das erklärt, warum dieselbe Tonleiter in Kulturen auftaucht, die nie Kontakt hatten. Wer ein Instrument nach Quinten stimmt — und das ist die naheliegendste Art, überhaupt zu stimmen, weil die Quinte das am leichtesten hörbare Intervall nach der Oktave ist — landet nach vier Schritten unvermeidlich bei einer Pentatonik.

Die zwei Töne, die in der Dur-Tonleiter hinzukommen, f und h, entstehen erst, wenn man den Quintstapel in beide Richtungen fortsetzt: eine Quinte abwärts ergibt f, zwei weitere aufwärts ergeben h. Mit ihnen kommen die Halbtonschritte — und mit den Halbtonschritten die Zielstrebigkeit der Kadenz, aber eben auch die Möglichkeit, hörbar danebenzuliegen.

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